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US-Forscher haben Rhesusaffen gezüchtet, in denen das Erbgut von sechs verschiedenen Embryos vereinigt ist. Die Tiere haben also bis zu zwölf Eltern. Die Neugeborenen seien gesund und verhielten sich normal, berichten die Wissenschaftler.
Cambridge - Chimäre, so nennen Genetiker einen Organismus, dessen Zellen nicht alle das gleiche Erbgut enthalten; verschiedene Zellen oder Gewebe können sogar von unterschiedlichen Arten stammen. Forscher kreieren so etwas seit Jahren regelmäßig im Labor.
Selbst Tier-Mensch-Embryos sind für die Stammzellforschung bereits hergestellt worden - auch wenn ein solches Zwitterwesen große ethische Probleme mit sich bringt. Zur Geburt einer Tier-Mensch-Chimären ist allerdings wohl noch nicht gekommen. Die betreffenden Embryos starben in einem sehr frühen Stadium oder wurden vernichtetUS-Forscher haben nun eine weitere Art von Chimären gezüchtet. Sie tragen das Erbgut von bis zu sechs verschiedenen Affenembryos in sich. Die Neugeborenen seien gesund und ganz normal, schreibt das Team um Shoukhrat Mitalipow von der Oregon Health Sciences University in Portland im Fachjournal "Cell". Äußerlich sind die drei jungen Affen alle männlich. Jedoch tragen ersten Tests zufolge vier Prozent ihrer Zellen zwei X-Chromosomen - und sind damit weiblich.
Den Forschern gelang es nach Angaben der Universität erstmals, chimäre Affen zu züchten - bei Mäusen war das schon früher gelungen, allerdings auf andere Weise. Auch chimäre Ratten, Kaninchen und Schafe existieren schon.
Mäuse-Chimären werden bislang gezüchtet, indem Forscher embryonaleStammzellen in Embryos einsetzen. Dies gelang dem Team um Mitalipow bei den Rhesusaffen zunächst nicht. Die Wissenschaftler fügten stattdessen Zellen von Embryos zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der Entwicklung zusammen.
In diesem Vierzell-Stadium sind alle Zellen noch totipotent. Das heißt: Die genutzten Zellen waren noch so jung, dass sie sich theoretisch zu jeder beliebigen Zellform entwickeln konnten. "Die Zellen verschmelzen nicht miteinander, aber sie bleiben und arbeiten zusammen, um Gewebe und Organe zu bilden", sagte MitalipoUm aus den Erkenntnissen auch Stammzelltherapien für Menschen entwickeln zu können, sei es wichtig, nicht nur im Labor oder an Mäusen zu forschen. Nach Angaben der Forscher gibt es allerdings keine Pläne, Menschen-Chimären zu züchten. Nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz wäre das auch nicht zulässig - und könnte mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden.
Der Nationale Ethikrat hat eine Stellungnahme zum Umgang mit "Mensch-Tier-Mischwesen in der Forschung" erarbeitet. Darin tritt das Gremium klar gegen die Schaffung "echter Mischwesen" ein. Dagegen könnte die "Generierung von Hirnchimären durch die Übertragung von menschlichen Zellen auf Säugetiere" statthaft sein, "soweit nicht Primaten betroffen sind".
chs/dpa